26 Jun, 2017
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Revista

 Die Kirche und das liebe Geld

In der letzten Zeit ist die orthodoxe Kirche in den Medien sehr stark in die Kritik
geraten wegen des Reichtums, über den sie der Meinung einiger Presseleute nach verfügt. Nun wissen wir nicht, wie dieser Reichtum von den Presseleuten gemessen worden ist, und wie sie zur Schlußfolgerung gekommen sind, daß die orthodoxe Kirche eine der größten Grundbesitzer in Rumänien sein soll. Aber ob es nun stimmt oder nicht, Tatsache ist, daß solche Recherchen dem Ansehen der orthodoxen Kirche sehr schaden. Und leider nicht nur ihr.

Als ich wegen einer Restitution eines Grundstückes der Gemeinde Bulkesch im Bürgermeisteramt Seiden anfragte, welches der Kirchengemeinde in der kommunistischen Zeit enteignet worden war, da wurde ich von einem PDL- Kreisrat regelrecht angefahren, was denn die Kirche mit dem Grundstück (ungefähr 15 Hektar Land) machen wolle. Er hatte aufgrund einer negativen Berichterstattung in den Medien nun einen vermeintlichen Grund gefunden, eine Rückgabe zu verweigern.Wahrscheinlich fühlte er sich dabei auch noch als ein Verfechter des wahren Glaubens, der sich dagegen wehrt, daß Geld oder Besitz in die falschen Hände gerät. Vermutlich wußte er als PDL- Parteiaktivist viel Besseres mit dem Grundstück anzufangen, wie zum Beispiel es einem Anderen geben, der zwar noch nie Grund in Bulkesch besessen hatte, aber dafür fleißig in die Parteikasse spendete.

Auf jeden Fall war das Medien-Debakel um die Kirche ein Anlaß, über das Thema „Kirche und Geld“ (oder Besitz) nachzudenken. Ich forschte daraufhin in dem „Grundgesetz“ der Kirche:- in der Heiligen Schrift. Diese hat größtenteils eine sehr negative Sicht im Hinblick auf Geld und Besitz, vor allen Dingen aus zwei Gründen. Zum Einen weil sie Herz und Sinn eines Menschen in Beschlag nehmen und ihn - zu sehr- von anderen wichtigen Dingen ablenken. So geschieht es zum Beispiel in der biblischen Geschichte von dem reichen Jüngling (siehe Bild), der Jesus begegnet und von ihm das Heil erfahren könnte, aber von der Liebe zu seinem Besitz davon abgehalten wird. Christus selbst warnt in dem Gleichnis von dem großen Abendmahl davor, sich allzu sehr von dem materiellen Verlockungen ablenken zu lassen (Luk. 14). Hier wird erzählt, daß einige die Einladung zum himmlischen Freudenmahl ausschlagen, weil sie sich erst einmal um ihren Besitz (einen Acker, fünf Gespanne Ochsen, eine Frau) kümmern wollen. Das wäre der eine Aspekt. Zum anderen führt das Streben nach Geld und Besitz immer zu großer sozialer Ungerechtigkeit. Es gibt kaum eine Staatsform, eine Gesellschaft , ein Volk oder eine Zeit in der Geschichte dieser Welt, in welcher das Geld die Menschen nicht in zwei Lager aufgespalten hätte; - in Arm und Reich. Das war sogar schon zu biblischen Zeiten so, zum Beispiel in der Zeit des Propheten Amos. Deshalb muss dieser im Auftrag Gottes folgendes verkündigen (Amos 5,11ff) : Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn,so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen,die ihr von Quadersteinen gebaut habt,und den Wein nicht trinken,den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt.

Und Amos ist nicht der einzige Prophet, der sich gegen die Ungerechtigkeit, die Ausbeutung und Unterdrückung der Armen wenden muss, denn solche Praktiken sind Gott ein Dorn im Auge. Und zwar ist nicht unbedingt der Besitz an und für sich etwas Schlechtes, wohl aber ist durch die Jahrhunderte der Geschichte immer wieder die Erfahrung gemacht worden, daß großer Reichtum immer nur auf Kosten der Armen und Unterdrückten entstehen kann und daß er fast immer auch mit der Macht einhergeht, Schwächere zu unterdrücken. Andererseits aber ist das Geld auch ein notwendiges Übel, denn die Vetreter Gottes müssen ja auch von etwas Leben. Und Gott selbst sorgt sich für seine Vertreter auf Erden, und bestimmt im Deutronomium (5 Mose 14), daß der zehnte Teil von allen Einnahmen den Gottesmännern übergeben werden soll, damit diese sich davon ernähren können. „Du sollst alle Jahre den Zehnten absonderen von dem Ertrag deiner Saat, der aus deinem Acker kommt und sollst davon essen... nähmlich vom Zehnten deines Getreides, deines Weines, deines Öls und von der Erstgeburt deiner Rinder und deiner Schafe, auf daß du fürchten lernst den Herrn dein Leben lang. (5 Mose 14, 22ff)
Auch im Neuen Testament ist Geld immer noch für das Leben der jungen Gemeinde notwendig. So erfahren wir aus der Apostelgeschichte, daß die Jünger ihren Brüdern in Judäa eine Geldsumme zukommen ließen (Apg. 11, 29):
Aber unter den Jüngern beschloß ein jeder, nach seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnen, eine Gabe zu senden. Man kann also annehmen, daß die Apostel auch über Geldsummen verfügt haben, die sie dann für ihren Dienst an den Gemeinden verwendeten. Auch Paulus hat in den von ihm versammelten Gemeinden Spenden eingesammelt und sie der Jerusalemer Gemeinde zur Verfügung gestellt. Dort wurden von dem Geld Armenspeisungen veranstaltet.

Es ist also schon aus der heiligen Schrift ersichtlich, daß die Kirche für ihre Aufgaben und Aktivitäten, aber auch für ihre Vertreter Geldsummen zur Verfügung haben muss, um funktionieren zu können. Die Mitarbeiter der Kirche müssen wie alle anderen auch entlohnt werden, die Projekte der Kirche benötigen und verschlingen finanzielle Ressouressen.

Hierzu muss noch gesagt werden, daß der Segen Gottes im alten Testament unter anderem auch mit (materiellem) Wohlstand verbunden wird. So lesen wir ebenfalls im Deutronomium (5.Mo 28:8): Auf Jahwes Befehl wird der Segen in deine Scheunen kommen und in alle Geschäfte, die du anpackst. So wirst du in dem Land, das Jahwe, dein Gott, dir gibt, lauter Segen haben.

Oder auch in dem Buch der Sprüche: (Spr 10:22) : Wohlstand kommt durch den Segen Jahwes, / eigenes Mühen vergrößert ihn nicht.

Nun wissen wir nicht – ist es Fluch ist oder Segen, ist es das Zutun des Herrn ist oder seines Widersachers- daß die Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Geld und Besitz hat anhäufen können. Das sieht man nicht nur an der orthodoxen Kirche, sondern auch, wie ich im Internet las, genauso an der katholischen Kirche und an der evangelischen Kirche in Deutschland. Auch dort wird, wenn auch nicht so vehement wie bei uns, Kritik an dem Wohlstand und an der Geschäftsgebahrung der Kirche laut. Um den Vorworf der Parteilichkeit zu verhindern, sei auch ein negatives Beispiel aus der Geschichte unserer Kirche aufgezählt. So hat es im 18 Jahrhundert (vermutlich auch schon früher) aufgrund der Zehnteinnahmen in den Reihen der Pfarrschaft einen anstößigen, ärgerniserregenden Luxus gegeben.

So erzählte der Bischof auf einer Synode im Jahr 1726, er habe auf einer Hochzeit in Hermannstadt zwei „Dämchen“ gesehen, die um den höchsten Luxus miteinander wetteifert hätten. Die eine sei eine Pfarrerstochter, die andere die Tochter eines Politikers gewesen. Und nach dem allgemeinen Meinung habe die Pfarrerstochter den Sieg davongetragen. Man hat seitens der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit immer wieder versucht, den Luxus einzugrenzen, aber sicher haben viele Pfarrer über die Bewirtschaftung ihrer durch den Zehnten erworbenen Vermögen ihre geistlichen Tätigkeiten vernachlässigt. Das Gleichnis Christi von dem großen Abendmahl oder von dem reichen Jüngling haben diese Pfarr- Herren dann wohl geflissentlich überlesen.

Andererseits aber hat die Kirche immer auch in verschiedenen Bereichen sehr positiv in die Gesellschaft hineingewirkt- eben auch unter Einsatz von eigenem Geld und Besitz. Abgesehen von ihrer Verkündigungsaufgabe hat sie auch andere Aufgaben übernommen und segensreich durch die Jahrhunderte hindurchgeführt. So zum Beispeil hat die Kirche in Mühlbach (und nicht nur) eine entscheidenede Rolle in der Führung und Entwicklung des Schulwesens (das Schulgebäude wurde von der Kirche erbaut) gespielt. Es waren die kirchlichen Schulen, die uns in punkto Bildung unter den Völkern Siebenbürgens eine Vorrangsstellung gesichert haben.

Ebenfalls hat es hier schon vor Jahrhunderten eine „Alumnie“ (von alumni: ernähren) gegeben, durch welche ärmere Schüler gespeist wurden, so daß sie wegen Geldmangels nicht die Schulbildung aufgeben mussten. In Siebenbürgen war es die Kirche, die sich für den Bau von Krankenhäusern eingesetzt hat, wie zum Beispiel das Lutherspital in Hermannstadt, oder aber auch für den Bau von Waisenhäusern, Siechenhäusern etc. Auch einige Vereine, die ihre Wurzeln im Leben und im Glauben der Kirche haben, haben den Dienst an dem Nächsten übernommem und zum Nutzen der Armen, Kranken und Verwaisten weitergeführt, wie zum Beispiel der Diakonieverein oder der Frauenverein, um nur einige von ihnen zu nennen.

Eine Schlußfolgerung wäre also, die Kirche sollte sich im Umgang mit Geld und Besitz an dem Wort Jesu aus dem Lukasevangelium im 16.-ten Kapitel handeln: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“. (Lk 16,9). Denn auch die Kirche muss in der Welt und nach weltlichen Strukturen leben, - und da gehört Geld als Zahlungsmittel dazu - aber natürlich in dem Wissen, daß sie nicht nur von dieser Welt ist, sondern ein anderes Ziel verfolgt als die Weltlichen, nähmlich das Erreichen des Gottesreiches.